Urbild weiblicher Verführungskunst

Rund 700 Zuschauer gefangen von Bizets „Carmen“ / Freilichtbühne bleibt trocken

Für viele Opernfans ist es der Stoff, aus dem die Träume sind: Georges Bizet hat mit der „Carmen“ Musikgeschichte geschrieben, traurig ist nur, dass, der Komponist der Erfolg seines Meisterwerkes nicht mehr erleben durfte.

Die Freilichtaufführung des bekannten Werkes in der romantischen Kulisse des Schlossparks ließen sich in Bad Kreuznach rund 700 Opernfans nicht entgehen. Gegen eine überraschende Dusche von oben hatte der Veranstalter vorsorglich am Einlass Regencapes verteilt - zur Freude aller mussten die Gummihäute nicht ausgepackt werden und blieben während des festlichen Opernabends unbenutzt.

Ungebrochene Lust

Leidenschaft, Begierde und Tod ß die Geschichte der tragischen Liebe zwischen der Arbeiterin Carmen und dem Soldaten José, die ihre Vorlage in der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée hat, enthält die elementaren Bestandteile, die das Werk zu einem die Jahrhunderte überdauernden Bühnenerfolg machen.


Monica Minarelli (3.v.Ii.) verkörperte bei der gut besuchten und farbenprächtigen Aufführung auf der Freilichtbühne im Schlosspark die leidenschaftliche und temperamentvolle Carmen.
FOTO: JÄCKEL

Die ungebrochene Lust des Publikums, sich von der dramatischen Handlung mitreißen zu lassen und bis zu den Knien im Gefühl zu waten, bescherte auch den zeitgenössischen Filmemachern – mal mit Ballett, mal mit den Weltstars der Opernszene – große Verkaufserfolge.

Begeisterung erzeugte auch die Opern-Air-Aufführung in Bad Kreuznach mit großem Ensemble, dem Sinfonie-Orchester „Opera Classica“ unter der Leitung von Marco Berdondini und Carlo Caputo sowie dem Chor und Ballett der „Opera Classica“. Die Interpretation von Regisseurin Laura Ippoliti zeichnete das Geschehen, das heiter wie eine Operette beginnt und zuletzt in tragischer Düsternis endet, in monumentalen und farbenprächtigen Bilden nach.

Das dramatische Geschehen lebt wesentlich von den starken und prall gezeichneten Charakteren: Carmen als ein Urbild weiblicher Verführungskunst, die ihren Hang zur Rebellion bis zur Zügellosigkeit auslebt, daneben die anrührende Figur den zarten Micaela und die dem Machismo huldigende Rolle des Stierkämpfers Escamillo.

Ein besonderes Opernerlebnis wurde die Aufführung nicht zuletzt durch die hochkarätige Besetzung mit einigen weltbekannten Stars der Klassikszene: Monica Minarelli, Luigi Frattola, Patrizia Morandini und Stefano Anselmi, diedem renommierten Ensemble der Arena di Verona angehören. Die populären, weltbekannten Melodien der „Carmen“, die zu den meist aufgeführten Werken des internationalen Opernrepertoires zählt, verfehlten beim Publikum im Schlosspark ihre Wirkung nicht.
Wie auch der Stoff weniger der Romantik als dem Realismus verpflichtet, ist die Musik Bizets ß darunter die berühmte Blumenarie des pflichtvergessenen Sergeanten José oder das längst zum Gassenhauer gewordene Torerolied – seit Jahrzehnten Allgemeingut.

Kunststück der Logistik

Ein Kunststück an Organisation und Logistik ist die Tour des großen Ensembles allemal. Während an der Spielstätte vor dem Mannheimer Schloss noch abgebaut wurde, war bereits ein Teil des Teams im Schlosspark mit dem Aufbau beschäftigt. Für den Transport des Bühnenmaterial werden drei 40-Tonner benötigt, deren Inhalt in Bad Kreuznach zunächst in kleinere Lastkraftwagen verladen werden musste, um passieren zu können.

Ensemble und Mitarbeiter füllen drei Reisebusse.